Brauchtumspflege

Brauchtumspflege des Faschingskomitees Schmidmühlen

(zusammengestellt von Michaela Bergmann, 2007)

 

Informieren Sie sich hier über heimatliches fastnachtliches Brauchtum, wie wir es Jahr für Jahr pflegen, sowie über Faschingsbräuche, die einmalig in ganz Bayern sind!

 

 

Ø Prinzenpaarvorstellung

 

Es ist eine langjährige Tradition in unserem Verein, den Fasching am 11.11. mit der Vorstellung der neuen Prinzenpaare einzuläuten. Dazu wird immer auch der Bürgermeister eingeladen, ist er es doch, der die Regentschaft in der 5. Jahreszeit an die närrischen Hoheiten abgeben muss. Im Vorfeld ist es immer ein gut gehütetes Geheimnis, wer das Zepter im Fasching übernimmt. Oft sind nicht einmal die Aktiven eingeweiht. Am 11.11. wird das Geheimnis dann gelüftet und die neuen Prinzenpaare werden der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch die beiden Garden werden dabei erstmals präsentiert, und so zeigt das Faschingskomitee, dass es für die kommende Saison bestens gerüstet ist.

 

 

Ø Markt schmücken

 

Es ist eine längjährige Tradition in Schmidmühlen, dass am Vorabend des Unsinnigen Donnerstag die Aktiven des Faschingskomitees den Ortskern verschönern. Da dies in einer heimlichen Nacht-und-Nebel-Aktion geschieht, muss jeder Teilnehmer dabei einen Hut tragen. So unkenntlich gemacht werden Luftballonketten gespannt, und zahllose Luftschlangen zieren die Bäume und Lampen. Besonders sehenswert ist in jedem Jahr der Moriskentänzer auf dem Brunnen vor dem Rathaus, der immer eine ausgefallene Kostümierung erhält. Aber auch das aktuelle Geschehen in der Gemeinde wird auf Schildern und Plakaten kommentiert und so mancher bekommt dabei „sein Fett weg“. Diese Verschönerung des Marktes bleibt bis zum Faschingsdienstag erhalten.

 

 

Ø Weiberfasching

 

Der Weiberfasching am Unsinnigen Donnerstag wird ja in vielen Gemeinden und Regionen gefeiert. In Schmidmühlen hat sich an diesem Tag eine besondere Tradition gebildet. Seit über 15 Jahren ziehen an diesem Tag einige Frauen der Gemeinde als Clowns verkleidet durch den Ort und jagen mit Scheren bewaffnet den speziellen Trophäen der Männerwelt nach, nämlich den Krawatten. Dabei werden sie von der jeweils aktuellen Faschingsprinzessin angeführt, der immer die Ehre zusteht, eine ganz besondere Trophäe zu erringen, nämlich die Krawatte des Bürgermeisters. Auf dieser Jagd stehen sehr viele Stationen auf dem Programm. Neben Rathaus, Kindergarten und Schule wird auch den örtlichen Banken, dem Forstamt und anderen Geschäften der Gemeinde ein Besuch abgestattet.

 

 

Ø Hexenfreitag

 

Mit einer besonderen Tradition kann das Faschingskomitee am „gschmalznen Freitag“, dem Freitag vor dem Faschingswochenende, aufwarten. An diesem Tag ziehen die Frauen des Orts als Hexen verkleidet durch die Marktgemeinde. Begründet wurde diese Tradition bereits im Jahre 1969. In unserer Vereinschronik ist dazu zu lesen:

„Eine größere Anzahl fürchterlicher Hexen machte am Nachmittage des 14.2.69 den Markt unsicher. Sie machten nicht Halt vor den Männern, die sie auf den Straßen und in den Wirtshäusern antrafen. Selbst unser verehrter Herr Bürgermeister war vor ihnen nicht sicher. Mit schauerlichem Geheule drangen sie in die Hochzeitsgesellschaft Frankerl ein und zerrten den armen Brautvater im Espachsaal hin und her, um ihm zum Schluss einen nahrhaften Orden umzuhängen. Die hereinbrechende Nacht verschluckte endlich den Spuk, der bestimmt ganz gruslig war.

Teilnehmer dieses Spuks waren Gittl Schneider, Barbara Wein, Erna Rubenbauer, Frau Heinke, Waltraud Schmid, Annemarie Böhlmann, Anni Leitz, Elfriede Speier, Anni Wein, Lore Jebautzke, Barbara Wein, Frau Rudolf, Annemarie Braun, Anita Kricke.

Zu solchen Aufzügen kann man eben nur Mädchen und Frauen brauchen, die zum Leben Ja sagen.“

Solche Mädchen und Frauen gibt es in Schmidmühlen immer noch, und so wird die Tradition des Hexenfreitags seitdem lückenlos fortgesetzt. Aus den 14 Hexen beim ersten Mal sind nunmehr über 50 geworden, die durch den Markt ziehen und so ihre Lebensfreude und Begeisterung für den Fasching, aber auch ihre Unabhängigkeit von der Männerwelt demonstrieren. Dabei kennen die Hexen keine Altersgrenzen, um miteinander fröhlich zu sein. Gardemädchen ebenso wie Frauen, die bereits zum 20. Male dieser Tradition folgen, sind akzeptierte Mitglieder dieser Gemeinschaft.

Das närrische Hexentreiben in Schmidmühlen wird seit einiger Zeit in den Nachbargemeinden nachgeahmt, doch der Ursprung dieses Brauchs liegt in Schmidmühlen, wie die Vereinschronik beweist.

 

 

Ø Faschingszug

 

Traditionell findet am Faschingsdienstag ein großer Faschingszug in Schmidmühlen statt, an dem sich die örtlichen Vereine, aber auch Gruppen aus den Nachbarorten beteiligen. Der Schmidmühlner Faschingszug hat eine sehr lange Tradition, die bis Anfang des letzten Jahrhunderts zurückreicht. Zahllose Besucher aus Nah und Fern finden jedes Jahr den Weg nach Schmidmühlen, um die fantasievollen Wagen und zahlreichen Faschingsgesellschaften zu bewundern.

 

 

Ø Prinzenbegräbnis

 

Der Höhepunkt und Abschluss des Kehraus am Faschingsdienstag ist das Prinzenbegräbnis. Der jeweils aktuelle Faschingsprinz wird begraben und so der Fasching offiziell beendet. Die Ehre des Prinzenbegräbnisses kommt den Gardemädchen zu, die in geheimen Sitzungen den Tod des Prinzen planen. Die jeweilige Todesart passt meistens zum Saisonmotto.

 

 

Ø Fischzug

 

Der Fischzug ist ein sehr alter Brauch, der bis ins vorletzte Jahrhundert zurückreicht und ursprünglich nur in Schmidmühlen gepflegt wurde. Es ist ein Zug von 60 bis 80 schwarz gekleideten Männern, die am Aschermittwoch in allen Wirtshäusern des Ortes einkehren und dort Freibier bekommen. Dazu essen sie nur Fisch und trockenes Brot.

Am Fischzug können nur Männer teilnehmen. Früher gingen sie in jeder Kleidung mit, in der sie von der Arbeit kamen. Heute wird erwartet, dass die Teilnehmer dunkle Kleidung tragen und einen Zylinder aufsetzen. Der Zug beginnt um 13 Uhr beim Ochsenwirt. Dort entrichten die Männer die Teilnehmergebühr. Wer beim Faschingszug mitgewirkt hat, bezahlt 3 EUR, alle anderen bezahlen 5 EUR. Quasi als Quittung oder „Bilettl“ bekommen die Fischzügler vom Zeremonienmeister mit Kreide einen Fisch auf den Rücken gemalt.

Der Fischzug, der sich vor jedem Wirtshaus im Gänsemarsch formiert, bewegt sich grundsätzlich auf der linken Straßenseite. Da es scih um einen Trauerzug handelt, darf während des Zuges weder geredet oder geraucht, gelacht oder gepfiffen werden. Wer sich nicht daran hält, muss 5 EUR Strafe bezahlen. Mit der dritten Verwarnung wird der Teilnehmer vom Zug ausgeschlossen.

An der Spitze des Zuges gehen schon seit vielen Jahren Hans Rubenbauer und Karl Fochtner. Sie tragen an einer Stange eine beflorte Holzlaterne. Ihnen folgt der jeweilige Faschingsprinz. Danach folgt der Zeremonienmeister. Dieses Amt bekleidet seit 40 Jahren Ernst Wein genannt „Weißferdl“. Dahinter folgen der Bürgermeister, der Fischmeister bekleidet mit einer weißen Schürze und der Brotträger. Die weiteren Teilnehmer folgen in beliebiger Reihenfolge. Der letzte Teilnehmer trägt eine Laterne.

Typisch für den Fischzug ist das „Ecken-Gehen“. Da man sich jedem Wirtshaus von links nähert, macht der Fischzug häufig Umwege, indem er im rechten Winkel abbiegt. Diese Ecken muss jeder Teilnehmer mitmarschieren. So werden auch jene Wirtshäuser angedeutet, die früher vom Fischzug besucht wurden, jetzt aber nicht mehr existieren.

Das Bier, das die Teilnehmer in den Wirtshäusern vorgesetzt bekommen, wird von den Wirten, Brauereien oder Privatleuten spendiert. Jede spendierte Maß wird vom Zeremonienmeister offiziell verkündet und notiert. Unter großem Beifall heißt es dann: „Da Wirt hot aa a Maß spendiert.“ Steht recht viel Bier auf den Tischen, zieht sich das Austrinken etwas länger hin. Dann meldet sicher der Zeremonienmeister wieder: „Maana, saffz enk zam, mir ham no vier Wirtsheisa“.

Am Ende des Fischzuges steht das Geldbeuteleingraben. Jeder Teilnehmer bekommt eine Kerze, die er durch einen Bierdeckel drückt. Der leere Geldbeutel wird auf einer „Misttrogn“ von zwei Männern zum Hammerplatz getragen. Der ganze Zug begleitet ihn mit brennenden Kerzen dorthin. Alle jammern und beweinen den leeren Geldbeutel. Am Hammerplatz bilden alle einen Kreis um das Kirwabaumloch, und der Zeremonienmeister beginnt mit seiner Trauerrede. Die Szene ist sehr gespenstisch. Eine fahle Laterne beleuchtet nur sehr schwach den Platz, auf dem 80 schwarz gekleidete Männer stehen. 80 kleine, flackernde Lichter beleuchten ihre von Trauer verzerrten Gesichter. Nach der Trauerrede des Zeremonienmeisters beten alle Teilnehmer zusammen eine Litanei, bevor der Geldbeutel begraben wird. Anschließend begeben sich alle Teilnehmer zum Leichtrunk ins Bräustüberl.

Der Fischzug ist in dieser Form einmalig in Bayern und wird jedes Jahr in seiner ursprünglichen Form weitergeführt. Die Vitalität dieses Brauchs lässt sich an der hohen Teilnehmerzahl ablesen.